
Fernsehen in den Ferien: Weniger Bildschirmzeit ohne täglichen Kampf
Fernsehen in den Ferien - das Wichtigste vorab
Bei uns ist Fernsehen nicht verboten. Unter dem Jahr gibt es meistens am Wochenende Fernsehen, bei Krankheit oder Urlaub auch mal mehr. In den Ferien wird es schwieriger, weil sich plötzlich jeder Tag ein bisschen nach Ausnahme anfühlt, obwohl nicht jeder Tag richtiger Urlaub ist. Ich möchte lockerer sein, aber nicht, dass der Fernseher heimlich den Sommer übernimmt. Deshalb brauche ich keinen perfekten Medienplan, sondern ein paar einfache Grenzen: erst Frühstück, bewusste Inhalte und nicht automatisch jeden Tag.
Wenn die Fernbedienung schon vor dem Frühstück Thema ist.
Am Wochenende fragt mein Kind manchmal nach Fernsehen, bevor ich innerlich überhaupt richtig wach bin. Er steht früh auf, ich gehe oft zu spät ins Bett, und diese Kombination ist im Familienalltag ungefähr so stabil wie ein Bauklotzturm neben einem fast Vierjährigen. Man weiß, es kann kurz gut gehen. Aber man sollte sich emotional nicht zu sehr darauf verlassen.
Und ehrlich gesagt: Ich verstehe ihn. Fernsehen ist gemütlich, vertraut und macht den Morgen ruhig. Für mich hat es außerdem einen ziemlich überzeugenden Nebeneffekt: Für ein paar Minuten will niemand etwas von mir. Das klingt nicht nach pädagogischem Bilderbuchmoment, aber nach einem sehr echten Samstagmorgen.
Trotzdem ist mir eine Sache wichtig: Erst wird gefrühstückt. Nicht mit Brot vor dem Fernseher, nicht halb auf dem Sofa und nicht so, dass der Bildschirm den Tag eröffnet, bevor wir überhaupt richtig im Tag angekommen sind. Erst Frühstück im Esszimmer. Dann darf Fernsehen kommen. Das ist keine riesige Regel. Eher ein kleines Stoppschild. Aber genau solche kleinen Stoppschilder helfen mir.
Die Regel spart uns viele Diskussionen
Unter dem Jahr ist Fernsehen bei uns ziemlich klar geregelt: unter der Woche normalerweise nicht, am Wochenende ja. Ausnahmen sind Krankheit und Urlaub. Meistens hilft diese Regel wirklich, weil die Grundfrage nicht jeden Tag neu offen ist. Es gibt diese Regel, sie ist bekannt, und damit muss ich nicht ständig überlegen, ob heute vielleicht doch eine Ausnahme ist.
Das klingt vielleicht streng, fühlt sich bei uns aber eher entlastend an. Ich muss nicht jeden Dienstag neu abwägen, ob eine Folge heute okay wäre. Die Antwort steht meistens schon fest, und genau das nimmt im Alltag Druck raus.
Natürlich wird trotzdem manchmal diskutiert. Gerade wenn mein Kind ohnehin in einer Phase ist, in der jede Grenze persönlich genommen wird, als hätte ich sie morgens extra aus Bosheit erfunden. Aber grundsätzlich funktioniert die Klarheit gut. Sie macht Fernsehen nicht zum täglichen Thema, sondern zu etwas, das seinen Platz hat.
Und dann kommen die Ferien
Ferien sind bei diesem Thema irgendwie gemein. Sie sind nicht normaler Alltag, aber eben auch nicht jeden Tag richtiger Urlaub. An manchen Tagen sind wir sowieso viel draußen: im Garten, unterwegs, am Wasser, bei Familie, irgendwo zwischen Sonnencreme, Jause, nassen Schuhen und der Frage, wer eigentlich schon wieder die Trinkflasche vergessen hat. An solchen Tagen ist Fernsehen oft gar kein großes Thema.
Aber dann gibt es die anderen Ferientage. Die heißen Tage. Die müden Tage. Die Tage ohne Plan. Die Tage, an denen niemand raus will, drinnen aber auch nichts richtig läuft. Die Tage, an denen mein Kind sich langweilt und ich nur kurz etwas fertig machen möchte. Genau dann steht der Fernseher plötzlich sehr bequem im Raum.
Nicht, weil ich morgens beschließe, den Sommer an ein Gerät auszulagern. Sondern weil es funktioniert. Es macht ruhig, es beschäftigt, es gibt mir ein paar Minuten. Und manchmal sind ein paar Minuten, in denen niemand etwas von mir will, im Familienalltag schon fast ein Wellnessangebot. Nur ohne Bademantel und mit Wäschekorb im Hintergrund.
Fernsehen darf in den Ferien lockerer sein. Es soll nur nicht heimlich zur neuen Tagesstruktur werden.
Mir geht es nicht um Verzicht, sondern um Gewohnheit
Ich glaube, mein Problem ist nicht die einzelne Folge. Eine Folge am Wochenende bringt unseren Familienalltag nicht aus dem Gleichgewicht. Fernsehen bei Krankheit auch nicht. Und wenn im Urlaub oder in den Ferien mal lockerer geschaut wird, ist das für mich auch kein Drama. Es ist eine Sendung. Kein Charaktertest. Kein Beweis dafür, ob man Elternschaft grundsätzlich verstanden hat.
Was mich eher beschäftigt, ist dieser schleichende Übergang. Erst ist Fernsehen eine Ausnahme. Dann passt es heute zufällig ganz gut. Am nächsten Tag ist es heiß. Am dritten Tag bin ich müde. Dann fragt mein Kind wieder danach, weil es gestern ja auch erlaubt war. Und plötzlich fühlt es sich nicht mehr nach Ausnahme an, sondern nach neuer Gewohnheit.
Das passiert nicht mit großem Knall. Eher leise. Genau deshalb merkt man es manchmal erst, wenn man innerlich schon wieder jeden Tag neu verhandelt. Ich möchte Fernsehen nicht grundsätzlich vermeiden. Ich möchte nur nicht, dass es unbemerkt die erste Antwort auf jede Langeweile wird.
Warum ich hier nicht über Bildschirmzeit-Studien schreibe
Mir ist bewusst, dass es Studien, Empfehlungen und fachliche Einschätzungen zu Bildschirmzeit bei Kindern gibt. Ich kenne diese Diskussionen und finde sie wichtig. Aber dieser Text soll bewusst kein wissenschaftlicher Medienratgeber sein. Mir geht es hier um den Familienalltag: um diese kleinen Situationen, in denen Fernsehen nicht als großes Konzept auftaucht, sondern als ganz praktische Frage. Darf er jetzt schauen? Brauche ich gerade kurz Ruhe? Wird das noch eine Ausnahme oder schon Gewohnheit?
Nicht alles, was läuft, muss laufen
Mir geht es nicht nur darum, wie lange mein Kind schaut. Mir ist fast wichtiger, was läuft. Ich möchte nicht, dass einfach irgendetwas angeht. Keine hektischen Sendungen mit dauernden Szenenwechseln, bei denen ich nach drei Minuten selbst das Gefühl habe, mein Gehirn flackert mit.
Ich mag ruhige, vertraute Sachen. Wenn etwas neu ist, bin ich normalerweise dabei oder zumindest in der Nähe. Wenn es etwas ist, das mein Kind schon oft gesehen hat und das ich kenne, mache ich daneben auch mal Haushalt. Und ja, das finde ich okay.
Ich muss nicht jede bekannte Folge begleiten, als würde ich danach eine schriftliche Medienanalyse abgeben. Manchmal ist Fernsehen einfach der Moment, in dem ich Wäsche aufhänge, koche oder kurz nicht gebraucht werde. Das ist nicht mein Idealbild von Familienzeit, aber es ist ehrlich.
Was mir in den Ferien wirklich hilft
Ich glaube nicht, dass wir dafür feste Fernsehzeiten brauchen. Wenn Fernsehen jeden Tag fix im Plan steht, wird es bei uns wahrscheinlich wichtiger, als ich möchte. Dann wartet mein Kind darauf. Dann ist es nicht mehr eine Möglichkeit, sondern ein Programmpunkt.
Gleichzeitig will ich aber auch nicht jeden Tag komplett neu entscheiden. Denn genau dieses ständige Abwägen macht mich müde. Darf er jetzt schauen? Später? War heute schon genug los? Bin ich nur erschöpft? Wird das jetzt zur Gewohnheit? Aus einer kleinen Fernsehfrage wird im Kopf schnell eine ganze Entscheidungskonferenz. Offenbar hat Elternschaft da einen eigenen Ausschuss gegründet.
Dieses ständige Neu-Abwägen ist für mich auch ein typischer Teil von Mental Load: nicht die eine Entscheidung ist so schwer, sondern dass im Alltag dauernd neue kleine Entscheidungen dazukommen. Genau dazu habe ich im Artikel über Mental Load Strategien im Familienalltag ein paar Entlastungen gesammelt, die nicht noch mehr Druck machen sollen.
Deshalb hilft mir zum Thema Bildschirmzeit eher eine einfache Richtung als eine feste Regel:
- Fernsehen startet bei uns nicht den Tag.
- Ich entscheide, welche Inhalte okay sind.
- Eine Folge darf helfen, wenn ich kurz Ruhe brauche.
- Ferien dürfen lockerer sein, aber nicht automatisch jeden Tag Bildschirm bedeuten.
- Wenn wir einen vollen Tag hatten, muss Fernsehen nicht auch noch „nachgeholt“ werden.
- Nach den Ferien gilt die Ausnahme nicht einfach weiter.
Gerade der letzte Punkt ist mir wichtig. Wenn wir in den Ferien lockerer sind, erinnere ich gegen Ende der Ferien immer wieder kurz daran, dass danach wieder unsere normale Regel gilt. Nicht als große Ansage, sondern nebenbei im Alltag:
Nächste Woche ist wieder Kindergarten. Dann wird wieder nur am Wochenende Fernsehen geschaut.
Das verhindert nicht jede Diskussion. Natürlich nicht. Aber es macht den Wechsel weniger plötzlich. Die Ferienregel schleicht sich dadurch nicht heimlich in den Alltag zurück, sondern bleibt das, was sie sein soll: eine Ausnahme für eine besondere Zeit.
Was bleibt
Ich möchte in den Ferien nicht streng fernsehfrei sein. Aber ich möchte auch nicht, dass unsere klare Regel komplett verschwindet. Fernsehen darf Pause sein, helfen und manchmal den Tag leichter machen. Es soll nur nicht heimlich die Tagesstruktur übernehmen.
Für uns heißt das: erst Frühstück, bewusst auswählen, nicht automatisch täglich und gegen Ende der Ferien wieder daran erinnern, dass danach unsere normale Regel gilt.
Weniger Fernsehen ja. Aber bitte ohne daraus ein weiteres Ferienprojekt zu machen.

Alles Wichtige in Kürze
Das lässt sich nicht pauschal sagen, weil Kinder, Familien und Ferientage unterschiedlich sind. Mir hilft weniger die genaue Minutenzahl als die Frage, ob Fernsehen bewusst eingesetzt wird oder automatisch jede Lücke füllt. Eine Folge nach einem vollen Tag ist etwas anderes als Bildschirmzeit als tägliche Grundstruktur.
Nein. Für viele Familien ist ein komplettes Verbot weder realistisch noch nötig. Fernsehen kann auch eine Pause sein, besonders an müden, heißen oder zähen Tagen. Wichtig ist eher, dass es nicht unbemerkt zur Standardlösung für jeden offenen Moment wird.
Klare, einfache Orientierung hilft oft mehr als tägliches Verhandeln. Zum Beispiel: nicht direkt morgens, nicht automatisch jeden Tag und nur ausgewählte Inhalte. Je weniger jeden Tag neu entschieden wird, desto weniger wird Fernsehen zum Dauerthema.
Beides spielt eine Rolle. Mir persönlich ist aber auch wichtig, was läuft: ruhige, vertraute Inhalte statt hektischer Sendungen mit vielen schnellen Szenenwechseln. Nicht alles, was verfügbar ist, muss auch laufen. Leider ein Konzept, das Streamingdienste offenbar nicht persönlich nehmen.
Externe Links, wenn du tiefer einsteigen willst
- kindergesundheit-info.de: Medien im Familienalltag
Eine gute Anlaufstelle, wenn du grundsätzliche Informationen zu Kindern, Medien und Familienalltag nachlesen möchtest. - SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht
Praktisch, wenn du konkrete Orientierung suchst, wie Mediennutzung mit Kindern alltagstauglich begleitet werden kann. - klicksafe: Medienkompetenz für Familien
Hilfreich für weiterführende Fragen rund um Medienkompetenz, sichere Online-Nutzung und digitale Begleitung von Kindern.
Über Alltagsliebling
Hier geht es um Familienalltag, Erschöpfung, kleine Entlastungen und praktische Ideen, die wirklich in ein volles Leben passen. Ehrlich, ruhig und ohne Schönreden, für Mamas, die nicht mehr Druck, sondern mehr Orientierung brauchen.
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Fernsehen in den Ferien - das Wichtigste vorab
Bei uns ist Fernsehen nicht verboten. Unter dem Jahr gibt es meistens am Wochenende Fernsehen, bei Krankheit oder Urlaub auch mal mehr. In den Ferien wird es schwieriger, weil sich plötzlich jeder Tag ein bisschen nach Ausnahme anfühlt, obwohl nicht jeder Tag richtiger Urlaub ist. Ich möchte lockerer sein, aber nicht, dass der Fernseher heimlich den Sommer übernimmt. Deshalb brauche ich keinen perfekten Medienplan, sondern ein paar einfache Grenzen: erst Frühstück, bewusste Inhalte und nicht automatisch jeden Tag.
Wenn die Fernbedienung schon vor dem Frühstück Thema ist.
Am Wochenende fragt mein Kind manchmal nach Fernsehen, bevor ich innerlich überhaupt richtig wach bin. Er steht früh auf, ich gehe oft zu spät ins Bett, und diese Kombination ist im Familienalltag ungefähr so stabil wie ein Bauklotzturm neben einem fast Vierjährigen. Man weiß, es kann kurz gut gehen. Aber man sollte sich emotional nicht zu sehr darauf verlassen.
Und ehrlich gesagt: Ich verstehe ihn. Fernsehen ist gemütlich, vertraut und macht den Morgen ruhig. Für mich hat es außerdem einen ziemlich überzeugenden Nebeneffekt: Für ein paar Minuten will niemand etwas von mir. Das klingt nicht nach pädagogischem Bilderbuchmoment, aber nach einem sehr echten Samstagmorgen.
Trotzdem ist mir eine Sache wichtig: Erst wird gefrühstückt. Nicht mit Brot vor dem Fernseher, nicht halb auf dem Sofa und nicht so, dass der Bildschirm den Tag eröffnet, bevor wir überhaupt richtig im Tag angekommen sind. Erst Frühstück im Esszimmer. Dann darf Fernsehen kommen. Das ist keine riesige Regel. Eher ein kleines Stoppschild. Aber genau solche kleinen Stoppschilder helfen mir.
Die Regel spart uns viele Diskussionen
Unter dem Jahr ist Fernsehen bei uns ziemlich klar geregelt: unter der Woche normalerweise nicht, am Wochenende ja. Ausnahmen sind Krankheit und Urlaub. Meistens hilft diese Regel wirklich, weil die Grundfrage nicht jeden Tag neu offen ist. Es gibt diese Regel, sie ist bekannt, und damit muss ich nicht ständig überlegen, ob heute vielleicht doch eine Ausnahme ist.
Das klingt vielleicht streng, fühlt sich bei uns aber eher entlastend an. Ich muss nicht jeden Dienstag neu abwägen, ob eine Folge heute okay wäre. Die Antwort steht meistens schon fest, und genau das nimmt im Alltag Druck raus.
Natürlich wird trotzdem manchmal diskutiert. Gerade wenn mein Kind ohnehin in einer Phase ist, in der jede Grenze persönlich genommen wird, als hätte ich sie morgens extra aus Bosheit erfunden. Aber grundsätzlich funktioniert die Klarheit gut. Sie macht Fernsehen nicht zum täglichen Thema, sondern zu etwas, das seinen Platz hat.
Und dann kommen die Ferien
Ferien sind bei diesem Thema irgendwie gemein. Sie sind nicht normaler Alltag, aber eben auch nicht jeden Tag richtiger Urlaub. An manchen Tagen sind wir sowieso viel draußen: im Garten, unterwegs, am Wasser, bei Familie, irgendwo zwischen Sonnencreme, Jause, nassen Schuhen und der Frage, wer eigentlich schon wieder die Trinkflasche vergessen hat. An solchen Tagen ist Fernsehen oft gar kein großes Thema.
Aber dann gibt es die anderen Ferientage. Die heißen Tage. Die müden Tage. Die Tage ohne Plan. Die Tage, an denen niemand raus will, drinnen aber auch nichts richtig läuft. Die Tage, an denen mein Kind sich langweilt und ich nur kurz etwas fertig machen möchte. Genau dann steht der Fernseher plötzlich sehr bequem im Raum.
Nicht, weil ich morgens beschließe, den Sommer an ein Gerät auszulagern. Sondern weil es funktioniert. Es macht ruhig, es beschäftigt, es gibt mir ein paar Minuten. Und manchmal sind ein paar Minuten, in denen niemand etwas von mir will, im Familienalltag schon fast ein Wellnessangebot. Nur ohne Bademantel und mit Wäschekorb im Hintergrund.
Fernsehen darf in den Ferien lockerer sein. Es soll nur nicht heimlich zur neuen Tagesstruktur werden.
Mir geht es nicht um Verzicht, sondern um Gewohnheit
Ich glaube, mein Problem ist nicht die einzelne Folge. Eine Folge am Wochenende bringt unseren Familienalltag nicht aus dem Gleichgewicht. Fernsehen bei Krankheit auch nicht. Und wenn im Urlaub oder in den Ferien mal lockerer geschaut wird, ist das für mich auch kein Drama. Es ist eine Sendung. Kein Charaktertest. Kein Beweis dafür, ob man Elternschaft grundsätzlich verstanden hat.
Was mich eher beschäftigt, ist dieser schleichende Übergang. Erst ist Fernsehen eine Ausnahme. Dann passt es heute zufällig ganz gut. Am nächsten Tag ist es heiß. Am dritten Tag bin ich müde. Dann fragt mein Kind wieder danach, weil es gestern ja auch erlaubt war. Und plötzlich fühlt es sich nicht mehr nach Ausnahme an, sondern nach neuer Gewohnheit.
Das passiert nicht mit großem Knall. Eher leise. Genau deshalb merkt man es manchmal erst, wenn man innerlich schon wieder jeden Tag neu verhandelt. Ich möchte Fernsehen nicht grundsätzlich vermeiden. Ich möchte nur nicht, dass es unbemerkt die erste Antwort auf jede Langeweile wird.
Warum ich hier nicht über Bildschirmzeit-Studien schreibe
Mir ist bewusst, dass es Studien, Empfehlungen und fachliche Einschätzungen zu Bildschirmzeit bei Kindern gibt. Ich kenne diese Diskussionen und finde sie wichtig. Aber dieser Text soll bewusst kein wissenschaftlicher Medienratgeber sein. Mir geht es hier um den Familienalltag: um diese kleinen Situationen, in denen Fernsehen nicht als großes Konzept auftaucht, sondern als ganz praktische Frage. Darf er jetzt schauen? Brauche ich gerade kurz Ruhe? Wird das noch eine Ausnahme oder schon Gewohnheit?
Nicht alles, was läuft, muss laufen
Mir geht es nicht nur darum, wie lange mein Kind schaut. Mir ist fast wichtiger, was läuft. Ich möchte nicht, dass einfach irgendetwas angeht. Keine hektischen Sendungen mit dauernden Szenenwechseln, bei denen ich nach drei Minuten selbst das Gefühl habe, mein Gehirn flackert mit.
Ich mag ruhige, vertraute Sachen. Wenn etwas neu ist, bin ich normalerweise dabei oder zumindest in der Nähe. Wenn es etwas ist, das mein Kind schon oft gesehen hat und das ich kenne, mache ich daneben auch mal Haushalt. Und ja, das finde ich okay.
Ich muss nicht jede bekannte Folge begleiten, als würde ich danach eine schriftliche Medienanalyse abgeben. Manchmal ist Fernsehen einfach der Moment, in dem ich Wäsche aufhänge, koche oder kurz nicht gebraucht werde. Das ist nicht mein Idealbild von Familienzeit, aber es ist ehrlich.
Was mir in den Ferien wirklich hilft
Ich glaube nicht, dass wir dafür feste Fernsehzeiten brauchen. Wenn Fernsehen jeden Tag fix im Plan steht, wird es bei uns wahrscheinlich wichtiger, als ich möchte. Dann wartet mein Kind darauf. Dann ist es nicht mehr eine Möglichkeit, sondern ein Programmpunkt.
Gleichzeitig will ich aber auch nicht jeden Tag komplett neu entscheiden. Denn genau dieses ständige Abwägen macht mich müde. Darf er jetzt schauen? Später? War heute schon genug los? Bin ich nur erschöpft? Wird das jetzt zur Gewohnheit? Aus einer kleinen Fernsehfrage wird im Kopf schnell eine ganze Entscheidungskonferenz. Offenbar hat Elternschaft da einen eigenen Ausschuss gegründet.
Dieses ständige Neu-Abwägen ist für mich auch ein typischer Teil von Mental Load: nicht die eine Entscheidung ist so schwer, sondern dass im Alltag dauernd neue kleine Entscheidungen dazukommen. Genau dazu habe ich im Artikel über Mental Load Strategien im Familienalltag ein paar Entlastungen gesammelt, die nicht noch mehr Druck machen sollen.
Deshalb hilft mir zum Thema Bildschirmzeit eher eine einfache Richtung als eine feste Regel:
- Fernsehen startet bei uns nicht den Tag.
- Ich entscheide, welche Inhalte okay sind.
- Eine Folge darf helfen, wenn ich kurz Ruhe brauche.
- Ferien dürfen lockerer sein, aber nicht automatisch jeden Tag Bildschirm bedeuten.
- Wenn wir einen vollen Tag hatten, muss Fernsehen nicht auch noch „nachgeholt“ werden.
- Nach den Ferien gilt die Ausnahme nicht einfach weiter.
Gerade der letzte Punkt ist mir wichtig. Wenn wir in den Ferien lockerer sind, erinnere ich gegen Ende der Ferien immer wieder kurz daran, dass danach wieder unsere normale Regel gilt. Nicht als große Ansage, sondern nebenbei im Alltag:
Nächste Woche ist wieder Kindergarten. Dann wird wieder nur am Wochenende Fernsehen geschaut.
Das verhindert nicht jede Diskussion. Natürlich nicht. Aber es macht den Wechsel weniger plötzlich. Die Ferienregel schleicht sich dadurch nicht heimlich in den Alltag zurück, sondern bleibt das, was sie sein soll: eine Ausnahme für eine besondere Zeit.
Was bleibt
Ich möchte in den Ferien nicht streng fernsehfrei sein. Aber ich möchte auch nicht, dass unsere klare Regel komplett verschwindet. Fernsehen darf Pause sein, helfen und manchmal den Tag leichter machen. Es soll nur nicht heimlich die Tagesstruktur übernehmen.
Für uns heißt das: erst Frühstück, bewusst auswählen, nicht automatisch täglich und gegen Ende der Ferien wieder daran erinnern, dass danach unsere normale Regel gilt.
Weniger Fernsehen ja. Aber bitte ohne daraus ein weiteres Ferienprojekt zu machen.

Alles Wichtige in Kürze
Das lässt sich nicht pauschal sagen, weil Kinder, Familien und Ferientage unterschiedlich sind. Mir hilft weniger die genaue Minutenzahl als die Frage, ob Fernsehen bewusst eingesetzt wird oder automatisch jede Lücke füllt. Eine Folge nach einem vollen Tag ist etwas anderes als Bildschirmzeit als tägliche Grundstruktur.
Nein. Für viele Familien ist ein komplettes Verbot weder realistisch noch nötig. Fernsehen kann auch eine Pause sein, besonders an müden, heißen oder zähen Tagen. Wichtig ist eher, dass es nicht unbemerkt zur Standardlösung für jeden offenen Moment wird.
Klare, einfache Orientierung hilft oft mehr als tägliches Verhandeln. Zum Beispiel: nicht direkt morgens, nicht automatisch jeden Tag und nur ausgewählte Inhalte. Je weniger jeden Tag neu entschieden wird, desto weniger wird Fernsehen zum Dauerthema.
Beides spielt eine Rolle. Mir persönlich ist aber auch wichtig, was läuft: ruhige, vertraute Inhalte statt hektischer Sendungen mit vielen schnellen Szenenwechseln. Nicht alles, was verfügbar ist, muss auch laufen. Leider ein Konzept, das Streamingdienste offenbar nicht persönlich nehmen.
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- kindergesundheit-info.de: Medien im Familienalltag
Eine gute Anlaufstelle, wenn du grundsätzliche Informationen zu Kindern, Medien und Familienalltag nachlesen möchtest. - SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht
Praktisch, wenn du konkrete Orientierung suchst, wie Mediennutzung mit Kindern alltagstauglich begleitet werden kann. - klicksafe: Medienkompetenz für Familien
Hilfreich für weiterführende Fragen rund um Medienkompetenz, sichere Online-Nutzung und digitale Begleitung von Kindern.
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