Über Alltagsliebling
Hier geht es um Familienalltag, Erschöpfung, kleine Entlastungen und praktische Ideen, die wirklich in ein volles Leben passen. Ehrlich, ruhig und ohne Schönreden, für Mamas, die nicht mehr Druck, sondern mehr Orientierung brauchen.
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Ich habe das Rauhnächte Wunschritual schon zum letzten Jahreswechsel ausprobiert. Heute weiß ich nicht einmal mehr alle 13 Wünsche und trotzdem würde ich sagen, dass es etwas gebracht hat. Mein übrig gebliebener Wunsch war, mich mehr auf mich selbst zu konzentrieren und bewusster Pausen zu machen. Ausgerechnet das habe ich tatsächlich stärker umgesetzt.
Noch wichtiger ist mir aber etwas anderes: Wenn ich auf 2026 zurückblicke, sehe ich kein Jahr voller abgehakter Wünsche, sondern eines voller Bewegung. Ich habe neue Projekte begonnen, Dinge getestet, die ich schon lange ausprobieren wollte, und herausgefunden, was zu mir passt und was nicht. Genau deshalb mache ich das Ritual für 2027 wieder: nicht um mein nächstes Jahr perfekt zu planen, sondern um einmal bewusst zu fragen, wohin ich mich eigentlich bewegen möchte.
Warum dieses Jahr wieder 13 Zettel auf meinem Tisch liegen
Ende Dezember entsteht bei mir ziemlich zuverlässig dieser seltsame Zwischenzustand. Weihnachten ist irgendwie vorbei, überall stehen noch Dinge herum, die eigentlich weggeräumt gehören, und gleichzeitig taucht schon dieses Gefühl auf, dass jetzt bitte das neue Jahr vorbereitet werden müsste. Neue Ziele. Neue Routinen. Was will ich erreichen? Was möchte ich ändern?
Genau deshalb mochte ich das Rauhnächte-Ritual im letzten Jahr überraschend gern. Es verlangte von mir nicht sofort einen Plan. Ich musste weder festlegen, wie mein Jahr aussehen soll, noch aus jedem Gedanken ein Ziel mit Deadline machen.
Ich musste mich nur hinsetzen und überlegen: Was wünsche ich mir eigentlich?
Das klingt fast zu simpel. Im normalen Alltag stelle ich mir diese Frage aber erstaunlich selten. Deshalb liegen auch dieses Jahr wieder 13 kleine Zettel bereit.
Was hinter dem 13-Wünsche-Ritual steckt
Beim heute verbreiteten 13-Wünsche-Ritual schreibst du 13 Wünsche für das kommende Jahr auf, jeweils einen auf einen eigenen Zettel. Die Zettel werden gefaltet und gemischt, sodass du später nicht mehr weißt, welcher Wunsch auf welchem Papier steht. Während der zwölf Rauhnächte ziehst du jeweils einen davon, ohne ihn zu öffnen, und lässt ihn symbolisch los.
Nach zwölf Nächten bleibt ein Wunsch übrig. Den öffnest du und nimmst ihn mit ins neue Jahr, als Wunsch, bei dem du selbst etwas genauer hinschauen kannst. Für mich ist das weniger Magie als eine schöne Mischung aus Reflexion und Loslassen: Zwölf Dinge muss ich nicht kontrollieren, einen Wunsch nehme ich bewusst mit.
Was aus meinen Wünschen für 2026 geworden ist
Das Lustige ist: Ich könnte dir heute nicht mehr alle Wünsche nennen, die ich damals aufgeschrieben habe. Ein paar Themen weiß ich noch ungefähr, andere sind komplett weg. Zuerst klingt das vielleicht, als hätte das Ritual seinen Zweck damit ziemlich spektakulär verfehlt. Ich sehe das inzwischen anders, denn was mir geblieben ist, ist nicht die Liste. Es ist das Gefühl, mich überhaupt einmal mit meinen Wünschen beschäftigt zu haben.
Der Wunsch, der damals am Ende für mich übrig blieb, ging darum, mich mehr auf mich selbst zu konzentrieren, bewusster Pausen zu machen und nicht jede freie Minute automatisch wieder mit etwas zu füllen. Eher untypisch für mich. Freie Zeit löst bei mir nicht automatisch den Gedanken „schön, Pause“ aus, sondern erstaunlich oft: „Was könnte ich jetzt noch machen?“
Falls dir dieses gleichzeitige Ziehen in fünf Richtungen bekannt vorkommt: Darüber habe ich auch in meinem Artikel „Ich habe zu viele Interessen. Muss ich mich wirklich entscheiden?“ geschrieben.
Gerade deshalb war der letzte Wunsch interessant. Und ich habe ihn tatsächlich umgesetzt. Nicht perfekt natürlich. Ich sitze inzwischen nicht jeden Nachmittag tiefenentspannt unter einer Wolldecke und höre meinem Nervensystem beim Regenerieren zu. Aber ich habe 2026 öfter wahrgenommen, wann ich eine Pause brauche, bewusster Ruhe zugelassen und mir weniger schnell eingeredet, dass freie Zeit automatisch sinnvoll genutzt werden müsste.
Gleichzeitig war 2026 alles andere als ein ruhiges Jahr. Ich habe neue Projekte begonnen, Dinge ausprobiert, die ich schon länger im Kopf hatte, und getestet, welche Richtungen zu mir passen. Manches wird bleiben, anderes vielleicht nicht. Wenn ich zurückblicke, fühlt sich das trotzdem nach einem erfolgreichen Jahr an – nicht weil alles funktioniert hat, sondern weil etwas in Bewegung gekommen ist.
Ein gutes Jahr muss für mich nicht bedeuten, dass alles geklappt hat. Vielleicht reicht es manchmal, wenn Bewegung drin war.
Wünsche müssen keine perfekt formulierten Ziele sein
Diesen Punkt sehe ich heute anders als beim ersten Mal. Damals dachte ich noch stärker darüber nach, wie Wünsche formuliert sein sollten: möglichst positiv, konkret und aktiv. Also nicht „Weniger Stress“, sondern eher: „Ich plane jede Woche bewusst Zeit für mich ein.“
Das ist nicht falsch. Aber ich merke inzwischen, dass dadurch aus einem Wunsch ziemlich schnell wieder ein Ziel wird. Und aus einem Ziel wird ein Plan. Und plötzlich sitze ich mitten in einem Jahresprojekt, obwohl ich eigentlich nur kurz überlegen wollte, wonach ich mich sehne.
Dieses Bedürfnis, aus jedem guten Gedanken sofort eine bessere Version von sich selbst bauen zu müssen, begegnet mir ohnehin oft genug. Warum mich diese permanente Selbstoptimierung irgendwann eher müde als motiviert macht, habe ich in meinem Artikel über toxische Positivität und das ewige „Du musst nur …“ beschrieben.
Bei den Rauhnächten möchte ich deshalb bewusst einen Schritt davor bleiben. Ein Wunsch darf auch einfach heißen:
- „Ich wünsche mir mehr Ruhe.“
- „Ich möchte wieder mehr Dinge nur aus Freude machen.“
- „Ich wünsche mir mehr Mut.“
- „Ich möchte mich beruflich weiterentwickeln.“
- „Ich möchte mir selbst wieder mehr Raum geben.“
Du musst im Dezember noch nicht wissen, wie genau das passieren soll. Vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen einem Wunsch und einem Vorsatz: Ein Vorsatz fragt ziemlich schnell nach dem Wie. Ein Wunsch darf erst einmal zeigen, was überhaupt fehlt.
So funktioniert mein Rauhnächte Wunschritual für 2027
Ich mache daraus bewusst kein großes Projekt. Im Dezember sammle ich zunächst Gedanken, wenn mir zwischendurch etwas einfällt – in der Notizen-App, auf einem Zettel oder dort, wo ich es gerade schnell festhalten kann. Später suche ich daraus die Wünsche aus, die sich wirklich nach meinen anfühlen.
- Wünsche sammeln: Erst einmal notiere ich alles, was auftaucht, ohne schon zu sortieren.
- 13 Wünsche auswählen: Später suche ich daraus die Wünsche aus, die sich wirklich wichtig anfühlen.
- Jeden Wunsch einzeln aufschreiben: Jeder kommt auf einen eigenen kleinen Zettel.
- Falten und mischen: Alle Zettel werden gleich gefaltet, sodass ich später nicht mehr erkenne, welcher Wunsch wo liegt.
- Zwölf Wünsche loslassen: Während der Rauhnächte ziehe ich jeweils einen Zettel, ohne ihn zu öffnen, und lasse ihn symbolisch los.
- Den letzten Wunsch öffnen: Der dreizehnte Zettel bleibt bei mir. Ihn nehme ich als kleinen Gedanken mit ins neue Jahr.
Mehr braucht es für mich nicht. Keine stundenlange Abendroutine, kein besonderes Equipment und kein perfekt eingerichteter Platz mit Kristallen, Räucherwerk und einem Journal, das so schön aussieht, dass man Angst hat hineinzuschreiben. Nur 13 Zettel.
Wann beginnen die Rauhnächte 2026/2027?
Bei den genauen Daten gibt es unterschiedliche Traditionen und regionale Zählweisen. Häufig wird die Zeit zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag am 6. Jänner als Rauhnachtszeit bezeichnet. Einen Überblick über die verschiedenen Bräuche gibt zum Beispiel der SWR in seinem Beitrag über die Rauhnächte.
Für meine Version starte ich mit der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember 2026 und ziehe anschließend an zwölf Abenden jeweils einen Wunsch. Ich mache daraus allerdings keine Wissenschaft. Wenn Weihnachten bei dir ungefähr der ungünstigste Zeitpunkt des Jahres für stille Selbstreflexion ist, weil Geschenkpapier, Familie und allgemeines Feiertagschaos gerade andere Pläne haben, kannst du auch etwas später beginnen. Für mich verliert das Ritual nicht seinen Sinn, nur weil ein Zettel einen Tag später gezogen wird.
Was passiert mit den Wünschen? Mehr als nur verbrennen
Klassisch werden die Zettel nacheinander verbrannt. Ich mag das Bild dahinter: Der Wunsch ist weg, ich kann ihn nicht mehr nachlesen oder kontrollieren. Aber genau daran muss das Ritual für mich nicht hängen. Wenn Feuer bei dir eher für Stress sorgt, hallo kleine Kinderhände, hallo Rauchmelder, gibt es genug Alternativen.
- Vergraben: Du kannst den Zettel in die Erde geben, zum Beispiel in einem Blumentopf. Symbolisch dafür, dass etwas wachsen darf, ohne dass du jeden Tag kontrollierst, was daraus wird.
- Zerreißen und mit Wasser loslassen: Du zerreißt den Zettel in kleine Stücke und gibst sie in eine Schüssel mit Wasser. Danach kannst du das Papier normal entsorgen.
- Versiegeln: Du legst die Zettel in ein Glas oder eine kleine Schachtel, verschließt sie und stellst sie außer Sichtweite.
- Aufbewahren und nicht mehr öffnen: Auch eine Box mit den gefalteten Zetteln reicht. Die Entscheidung dahinter ist dieselbe: Ich muss mich nicht weiter darum kümmern.
Entscheidend ist für mich nicht die Methode, sondern dieses innere „Okay, ich lasse das jetzt einmal los“. Ganz ohne Special Effects. Wenn du dich fürs Verbrennen entscheidest, dann natürlich sicher und in einer feuerfesten Schale.
Rauhnächte im Familienalltag: Ein paar Minuten reichen
Letztes Jahr habe ich schnell gemerkt, dass meine Rauhnächte-Version nicht besonders feierlich aussieht. Der Familienalltag hört schließlich nicht auf, nur weil irgendwo eine Kerze brennt. Bei mir passiert das eher abends, wenn etwas Ruhe eingekehrt ist. Vielleicht steht noch Spielzeug herum, vielleicht bin ich müde, vielleicht möchte ich eigentlich nur noch ins Bett.
Dann ziehe ich trotzdem kurz einen Zettel. Manchmal dauert dieser Moment fünf Minuten, manchmal weniger. Genau das mag ich daran. Das Ritual verlangt nicht, dass ich zwölf Abende lang eine besonders achtsame, spirituell ausgeglichene Version meiner selbst darstelle. Es funktioniert auch mitten im normalen Leben.
Wenn der Kopf generell ständig weiterplant, erinnert und vorausdenkt, ist selbst eine kurze Pause manchmal erstaunlich schwer. Genau dieses Dauer-Mitdenken beschreibe ich auch in meinem Artikel darüber, wie ich versuche, Mental Load im Mama-Alltag zu reduzieren. Ich mag Rituale, die sich nicht beleidigt abwenden, wenn man sie unperfekt macht.
Was passiert, wenn ich eine Rauhnacht vergesse?
Dann habe ich eine Rauhnacht vergessen. Mehr Drama möchte ich daraus nicht machen. Ich kann am nächsten Abend weitermachen, zwei Zettel ziehen oder meine persönliche Version eben um einen Tag verschieben.
Natürlich gibt es Menschen, für die die genaue Abfolge und Bedeutung der einzelnen Rauhnächte wichtig ist. Das ist völlig in Ordnung. Für mich würde das Ritual aber seinen Sinn verlieren, wenn ich ausgerechnet zwischen Weihnachten und Neujahr ein weiteres System hätte, bei dem ich das Gefühl bekomme, hinterherzuhinken. Davon gibt es im normalen Alltag schon genug.
Umgang mit Skepsis: Warum es sich für mich trotzdem lohnt
Ich erwarte von den 13 Zetteln nicht, dass sie mein Leben magisch sortieren. In meinem Kopf ist dieses Jahresritual eher wie ein freundlicher Coaching-Termin mit mir selbst nur günstiger und ohne Terminfindung. Es gibt mir einen Anlass, etwas aufzuschreiben, das im Alltag sonst ziemlich zuverlässig zwischen Aufgaben, Ideen und „mache ich später“ verschwindet.
Das nimmt auch die Angst, irgendetwas „falsch“ zu machen. Wenn ein Teil von dir bei Rauhnächten innerlich die Augen rollt und ein anderer Teil die Idee trotzdem schön findet, bist du ziemlich genau dort, wo ich auch bin.
Für mich bringt das Ritual vor allem vier Dinge zusammen:
- Mehr Klarheit: Was wünsche ich mir wirklich – und was denke ich nur, dass ich wollen sollte?
- Bewusste Entwicklung: Diffuse Wünsche werden sichtbar, ohne sofort zum neuen Jahresprojekt werden zu müssen.
- Symbolisches Loslassen: Zwölf Wünsche muss ich nicht weiter kontrollieren oder lösen.
- Fortschritte anders wahrnehmen: Mein Rückblick auf 2026 zeigt mir, dass Entwicklung nicht unbedingt bedeutet, einen Wunsch exakt zu erfüllen.
Auch psychologisch ist die Idee, Übergänge mit kleinen Ritualen zu strukturieren, nicht völlig aus der Luft gegriffen. Forschung zu ritualisiertem Verhalten beschäftigt sich unter anderem damit, wie vorhersehbare Handlungsabläufe in Situationen von Unsicherheit und Anspannung wirken können. Das bedeutet natürlich nicht, dass ausgerechnet das Rauhnächte Wunschritual wissenschaftlich erwiesen dein Leben verändert. Wer tiefer einsteigen möchte, findet dazu beispielsweise eine Studie über vorhersehbare ritualisierte Abläufe und Angstreaktionen.
Tipps für dein Rauhnächte Wunschritual im Alltag
- Fang früh an zu sammeln: Schreib dir schon im Dezember spontane Wünsche als Stichworte auf. Sortieren kannst du später.
- Setz dir einen kleinen Rahmen: 13 Zettel und pro Wunsch ein Satz reichen. Du musst daraus keinen Jahresbericht über deine persönliche Entwicklung machen.
- Mach es kurz: Ein paar Minuten am Abend reichen völlig. Das Ritual muss nicht jeden Tag zur ausführlichen Reflexionssession werden.
- Wähle dein eigenes Loslass-Ritual: Feuer, Wasser, Schale oder Box – nimm die Variante, die zu deinem Alltag passt.
- Bewahre den letzten Wunsch sichtbar auf: Zum Beispiel im Kalender, am Spiegel oder an einem anderen Ort, an dem er dir gelegentlich begegnet. Nicht als Mahnung, sondern als Erinnerung.
- Mach kein Dogma daraus: Eine Nacht vergessen? Weitergehen. Später angefangen? Auch gut.
- Schau am Jahresende noch einmal zurück: Nicht nur mit der Frage „Was hat sich erfüllt?“, sondern vielleicht eher: Was hat sich verändert? Was habe ich ausprobiert? Wo war Bewegung?
Mein Fazit für die Rauhnächte 2026/2027
Ich mache das 13-Wünsche-Ritual dieses Jahr wieder. Nicht weil ich glaube, dass meine dreizehn Zettel mein 2027 bestellen. Und auch nicht, weil ich nach meinem ersten Versuch behaupten könnte, alle Wünsche hätten sich erfüllt. Dafür müsste ich sie erst einmal noch alle wissen.
Ich mache es wieder, weil mir der Moment gefallen hat, in dem ich mich gefragt habe, was ich mir wirklich wünsche. Der eine Wunsch, der bei mir geblieben ist, hat tatsächlich etwas angestoßen. Gleichzeitig habe ich 2026 vieles begonnen, getestet und ausprobiert, was schon lange in meinem Kopf herumlag. Ich habe nicht alles erreicht – aber ich habe mich bewegt.
Vielleicht ist genau das die Art von Jahresrückblick, die ich behalten möchte: weniger „Was habe ich alles geschafft?“ und mehr „Wo hat sich etwas verändert?“ Und gleichzeitig habe ich ausgerechnet etwas gelernt, das für mich fast schwieriger ist als ein neues Projekt anzufangen: zwischendurch auch einmal aufzuhören.
Das reicht mir als Grund, wieder 13 kleine Zettel zu falten. Nicht als Plan für ein perfektes neues Jahr, sondern als kurze Pause vor dem nächsten.

Alles Wichtige in Kürze
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